Wirtschaftliche Aspekte

In Deutschland werden pro Kopf und Jahr rund 15 Kilogramm Fisch verspeist. Doch bei einer wachsenden Bevölkerung mit über 7 Milliarden Menschen nimmt der Hunger nach Fisch und anderen Meerestieren ein ökologisch bedenkliches Ausmaß an. Die Ozeane sind überfischt, viele Fischarten stehen vor dem Aussterben. Aquakulturen sollen den riesigen Bedarf decken. Zwischen 1970 und 2008 nahm die Produktion in Aquakulturen weltweit jährlich um 8,4 Prozent zu. Und noch immer steigt sie um jährlich 5 bis 8 Prozent. Damit ist sie die mit Abstand am stärksten gewachsene Lebensmittelbranche.

Bei einem Import von rund 89 Prozent der hier verzehrten Fische und Meeresfrüchte fehlt eine eigene nachhaltige Fischproduktion. Eine nennenswerte Bio-Branche gibt es noch nicht. Lediglich rund 3 Prozent der über 5.300 Betriebe in Deutschland arbeiten nach ökologischen Kriterien. Weltweit dürfte eine umweltverträgliche Produktion verschwindend gering sein.

Rund 100.000 Tonnen werden derzeit im Bereich der gesamten Ostsee produziert. Der Großteil der deutschen Aquakultur findet jedoch in Binnengewässern statt, denn traditionell ist sie hier vor allem auf die Karpfenteichwirtschaft sowie die Forellenhaltung ausgelegt. Allerdings werden auch andere Arten wie Schleie, Zander oder Wels gezüchtet. In Schleswig-Holstein liegt die Hauptproduktion bei Karpfen, Regenbogenforelle und Schleie. Während sich die Fischzucht hauptsächlich in Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Niedersachsen abspielt, findet die Muschelproduktion ausschließlich in Niedersachsen und Schleswig-Holstein statt.

Was wächst denn da?

Zu den wichtigsten Fischarten der Aquakultur zählen Regenbogenforelle, Lachs, Karpfen, Wels, Buntbarsch, Milchfisch, Meeräsche, Streifenbarsch, Stör, Zander, Pangasius, Wolfsbarsch und Dorade. Ebenfalls von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind Garnelen, die in riesigen Mengen an tropischen Flachküsten produziert werden. Auch Muscheln stammen immer häufiger aus Farmen. In Europa dominieren Miesmuscheln, Teppichmuscheln und Austern.

Aufgrund ihrer Vielseitigkeit werden zunehmend Algen angebaut. Makroalgen, z. B. Wakame, Laver, Japanischer Kelp und Sansibarkraut, werden genauso wie Mikroalgen in den verschiedensten Bereichen der Lebens- und Futtermittelindustrie, Landwirtschaft (Dünger), Kosmetik und Pharmazie genutzt. Zukünftig könnten sie sogar bei der Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes von Kraftwerken eingesetzt werden. Versuchsanlagen, bei denen das Kohlendioxid der Kraftwerke von Mikroalgen gebunden wird, existieren bereits.