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Produktionsmethoden

Versuchsanlage geschlossene Kreislaufanlagen, GMA Büsum © GMA, Foto: H.-J. Harbeck

Für die Aquakultur wurden verschiedene Haltungsmethoden entwickelt. Sie richten sich nach den Bedürfnissen des Marktes, der Produzenten und der Tiere. Man unterscheidet zwischen geschlossenen und offenen Systemen.

Geschlossene Systeme sind Kreislaufanlagen, in denen das Wasser aufbereitet und anschließend wieder in die Fischbecken geleitet wird. Meist stehen diese Systeme in Hallen, so dass sie sich unabhängig von Orts- und Wetterbedingungen sowie Jahreszeiten betreiben lassen. Außerdem können nährstoffbelastete Abwässer nicht in die Umwelt gelangen. Auch ein Entkommen von nicht-heimischen oder kranken Tieren wird verhindert.

Unter offenen Systemen versteht man alle Haltungsarten, die im direkten Kontakt mit ihrer Umwelt stehen. Man findet sie häufig an Flüssen und Seen oder in geschützten Buchten und Fjorden mit einem ständigen Wasseraustausch.

Karpfen in einem Zuchtteich © Rolf Handke/pixelio.de

Vor allem drei Produktionsmethoden stehen derzeit im Fokus: Die "Integrierte multitrophische Aquakultur" (IMTA) sowie die Teichwirtschaft von Karpfen und die Forellenteichwirtschaft, die jeweils auch für andere Arten als Karpfen und Forellen angewandt werden können.

Karpfen bevorzugen, wie auch Schleien oder Zander, ruhige Gewässer und müssen kaum zugefüttert werden, solange sie extensiv gehalten werden. Sie ernähren sich hauptsächlich von Kleinstlebewesen und Pflanzenteilen im Wasser. Eine zusätzliche Fütterung erfolgt meist mit Getreide, also "vegetarisch", aber auch mit Futterpellets. Zur Ernte wird das Wasser des Teiches abgelassen. Diese Form der offenen Aquakultur liefert im Vergleich zu anderen die geringste Nährstoffbelastung der Gewässer, da sich die Nährstoffe durch die niedrige Strömungsgeschwindigkeit im Sediment ablagern können.

Regenbogenforelle © Eric Engbretson/U.S. Fish and Wildlife Service

Die Forellenteichwirtschaft für die Aufzucht von Arten wie Forelle oder Saibling benötigt hohe Durchflussraten (Strömungsgeschwindigkeit) und wird üblicherweise in länglichen Teichen oder Fließkanälen (künstlichen Bachläufen) mit festen Seitenwänden betrieben. Die räuberische Forelle wird meist intensiv gehalten und muss mit Futter ernährt werden, welches tierische Fette und Proteine beinhaltet. Da die Forelle kein "vegetarischer" Friedfisch ist und die freigesetzten Nährstoffe direkt in die offenen Gewässer geleitet werden, werden diese stark belastet. Und da alle Fließgewässer in Nord- oder Ostsee münden, verschlechtern sie den Zustand der Meere noch weiter. Dies widerspricht den europäischen Gewässerschutzzielen. Diese schreiben den Mitgliedsstaaten das Erreichen eines guten ökologischen Zustandes der Meere bis 2020 vor.

Funktionsweise einer Integrierten multitrophischen Aquakultur (IMTA)

Bei der integrierten multitrophischen Aquakultur (IMTA) handelt es sich um den Versuch, Nährstoffeinträge durch die gleichzeitige Züchtung unterschiedlicher Organismen auszugleichen und die Gesamtbilanz der Nährstoffe bei null zu halten. Auf diese Weise soll eine Eutrophierung der Gewässer verhindert werden. Außerdem ermöglicht dies dem Produzenten mehrere Produkte anzubieten und so unabhängiger von Preisschwankungen auf dem Markt zu werden.

Beispielsweise könnte der Nährstoffeintrag einer Fischzucht mit der Kultivierung von Muscheln und Algen ausgeglichen werden. Denn sowohl Muscheln als auch Pflanzen entnehmen dem Wasser für ihr Wachstum Nährstoffe bzw. mikroskopisch kleines Plankton und reinigen so den Wasserkörper.

Allerdings ist eine Umsetzung eines komplett neutralen Systems kaum möglich. So müssen für die Produktion von 1 Tonne Fisch bis zu 10 Tonnen Muscheln angebaut werden, um den freigesetzten Stickstoff auszugleichen. Abgesehen vom Platzproblem in der ohnehin stark genutzten Ostsee müssten entsprechend große Anlagen zudem weiter verstreut in kleineren Arealen liegen, um eine lokale Nahrungskonkurrenz zwischen gezüchteten Muscheln und freilebenden Arten wie Fischlarven oder Wildmuscheln zu vermeiden.

Gekoppelte Zucht von Tilapia, Wasserkresse und Tomaten © Ryan Griffis/Wikipedia

Eine alte, neu entdeckte Methode ist die sogenannte Aquaponik. Die Aquaponik (Mischbegriff aus Aquakultur und Hydroponik)  stellt eine Sonderform der geschlossenen Aquakultur im Kreislaufsystem dar. Hier wird nährstoffreiches Abwasser aus den Fischbecken als Dünger für die Pflanzenproduktion genutzt. Dadurch kann der Aufwand für die Wasseraufbereitung gesenkt und gleichzeitig die "Gemüsebeilage" produziert werden. Vielversprechend scheint die gemeinsame Kultivierung von Buntbarschen mit Tomaten zu sein. Diese Co-Kulturen werden in kleinen Testanlagen gerade zur Marktreife gebracht.

Kontextspalte

Was ist Marikultur?

Marikultur ist der Überbegriff für Aquakultur im Meer. Meistens sind dies Netzgehege, zum Beispiel für die Zucht von Lachs, Dorade oder Dorsch, die in Küstennähe fest installiert sind. Muscheln werden entweder am Meeresgrund, an senkrecht im Wasser hängenden Leinen (Miesmuscheln) oder in Netzkörben (Austern) kultiviert. Makroalgen werden an Leinen gezogen, die zuvor mit kleinen Algenablegern beimpft wurden. Auch die Garnelen- und die meisten Krebsfarmen gehören zu den Marikulturen.

Austernzucht und Veredelung in Netzkörben in Belon, Frankreich © Peter Gugerell/Wikipedia