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Tierschutz

Fische werden meist als niedere Lebensformen angesehen, denen jede Empfindung abgesprochen wird. Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass Fische weiter entwickelt sind als bisher gedacht, was Gedächtnis, Lernfähigkeit oder Sozialverhalten angeht. Sie bevorzugen bestimmte Schwarmnachbarn, kommunizieren miteinander und empfinden durchaus Angst, Schmerz und Stress. Wie für jedes andere Nutztier auch, ist für Fische in Aquakultur eine artgerechte Haltung ethisch geboten.

Toter Karpfen © Manfred Schimmel/pixelio.de

Hohe Besatzdichten sind in der intensiven Aquakultur die Regel und übersteigen selbst für Schwarmfische ein erträgliches Maß. Dies wirkt sich auf die Tiere mehrfach negativ aus. Zum einen stehen die Tiere unter starkem Stress, welcher die Immunabwehr schwächt und die Tiere anfälliger für Krankheiten macht. Durch die enge Haltung können sich Viren, Bakterien oder Parasiten schneller verbreiten als in Wildbeständen. Dies ist weltweit eines der größten Probleme der Aquakultur und führt nicht selten zum Tod ganzer Zuchtbestände

Aufgrund dieser Gegebenheiten ist es nicht verwunderlich, wenn unter den Tieren, vor allem unter räuberischen Arten, verstärkt Aggressionen auftreten. Oft wird angeführt, eine hohe Besatzdichte sei nötig, um Aggressionen durch Territorialverhalten zu unterdrücken. Doch gerade solche Arten sind für Aquakulturen ungeeignet. Sie sollten überhaupt nicht auf engstem Raum gezüchtet werden, da selbst niedrige Besatzdichten noch ihrer Natur widersprechen.

In der Fischzucht kann das sogenannte Handling, also die direkte Handhabung der Tiere, kaum vermieden werden. Die einzelnen Individuen werden bei Produktionsschritten wie bei der Größensortierung, für den Transport, für die Überprüfung der sexuellen Reife oder für die Entnahme von Geschlechtsprodukten dem Wasser entnommen. Dies löst bei den Tieren Stress aus, was auch am Level der Stresshormone nachweisbar ist und birgt für die Tiere eine Verletzungsgefahr. Die empfindliche Haut über den Schuppen kann leicht verletzt werden. Dies beeinträchtigt die Fortbewegungsfähigkeit der Tiere sowie die Regulierung des Salzhaushaltes und beeinträchtigt die wichtige Schutzbarriere gegen Infektionen und Chemikalien.

Am Ende der Produktion steht letztendlich die Tötung der marktreifen Fische. Seit dem 01.01.2013 gilt eine neue EU-Verordnung (EG Nr. 1099/2009) über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung. Diese schreibt vor, dass "die Tiere von jedem vermeidbaren Schmerz, Stress und Leiden verschont" werden sollen, jedoch gibt es keine konkreten Vorschriften für Fische. Für die Umsetzung gilt in Deutschland die Tierschutz-Schlachtverordnung, nach der Tiere nur unter Betäubung und unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden dürfen. Leider fehlen näher definierte Parameter wie bei der elektrischen Durchströmung empfohlene Stromstärken und Einwirkdauer.

Weitere Informationen sind im ProVieh Magazin 03-2010 zu finden. Dort steht das Thema "Massentierhaltung unter Wasser" im Fokus.

 

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