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Bestandsschutz freilebender Arten

Die Fischerei nutzt ausschließlich wildlebende Bestände. Die Aquakultur hingegen beschränkt sich auf die Zucht ausgewählter Arten. Doch inwieweit kann die Aquakultur zum Bestandsschutz der natürlichen Ressourcen beitragen? Stellt sie nicht sogar eine Bedrohung für diese dar?

Um das Vorkommen von Arten zu stärken, die in der freien Wildbahn stark bedroht sind, gibt es sogenannte Managementpläne. Diese regeln nicht nur das Maß der erlaubten Befischung, sondern sehen auch eine Aufzucht von Jungtieren in Aquakulturen vor. Anschließende Aussetzaktionen sollen den natürlichen Bestand stärken, wie im Falle des Ostseeschnäpels. Falls die Reproduktion in Gefangenschaft gelingt, mag dies ein guter Ansatz sein.

Glasaale, als Lebensmittel begehrtes und stark bedrohtes Jungstadium des Aals © Uwe Kils/ Wikimedia

Einige seltene Speisefische wie Aal und Thunfisch reproduzieren sich in Gefangenschaft jedoch nicht. Für ihre Aufzucht in Aquakulturen müssen freilebende Jungtiere gefangen und in Zuchtbecken gesetzt werden. Es handelt sich also um eine reine Mast, keine Zucht. Bei diesen Arten kann die Aquakultur sogar kontraproduktiv auf den Artenschutz wirken, weil so kaum noch Wildfische nachwachsen.

Das Halten von Arten in Aquakultur löst zunehmend den Wildfang der Fischerei ab, der durch die Überfischung der Meere in starke Bedrängnis geraten ist. Ein Beispiel dafür ist der Lachs. Man könnte demnach davon ausgehen, dass durch die Aquakultur Wildbestände geschont werden. Da für die Futtermittel der räuberischen Arten in Aquakultur jedoch auch Fischmehl und -öl benötigt werden, trifft dies nicht zu.

Austern © Gabriele Planthaber/ pixelio.de

Bei vielen kultivierten Arten handelt es sich um nicht-heimische Arten. Immer wieder kommt es vor, dass Tiere und Pflanzen aus den Zuchtanlagen in die Natur gelangen und sich dort etablieren. Diese sogenannten Neobiota können unter Umständen zu einer Plage werden und einheimische Arten durch die Konkurrenz um Nahrungsressourcen und Laichplätze verdrängen oder sie im schlimmsten Fall als Nahrung für sich entdecken. Bekannte Beispiele für solche aus Aquakulturen eingeschleppten Arten sind die Pazifische Auster in der Nordsee und die Regenbogenforelle in unseren Flüssen und Seen. Vor allem die Auster verdrängt bereits die heimische Miesmuschel und überwuchert bestehende Miesmuschelbänke in der Nordsee.

Schwimmblasenwurm (Anguillicola crassus) © Bill Bessmer/ Wikimedia

Ein weiteres Risiko aus offenen Anlagen für Wildbestände besteht in der Übertragung von Krankheiten und Parasiten, wenn Zucht- und Wildbestände miteinander in Kontakt kommen, beziehungsweise Erreger über die Strömung verteilt werden. Die Erreger werden unter anderem mit den Satzfischen eingeschleppt, die oft in Anlagen im Ausland gezüchtet und dann importiert werden. Selbst strenge Kontrollen können dies nicht immer verhindern. Beispielsweise wird die Aalpopulation zusätzlich zum Fischfang vom Schwimmblasenwurm bedroht, der durch den Import von japanischen Aalen nach Europa kam und der sich durch Aussetzmaßnahmen weiter verbreitet hat. Bei Lachsen in norwegischen Kulturbetrieben trat erstmals die Ansteckende Blutarmut der Lachse (ISA) auf. Der Erreger, ein Virus, wird unter anderem durch die Fischlaus übertragen und hat sich mittlerweile vor allem in nordeuropäischen sowie nordamerikanischen Aquakulturanlagen verbreitet.

Ein Bild mag besonders einprägsam sein: Der Gewässergrund unter offenen Netzkäfigen. Wo andernorts reiches Leben herrscht, findet sich unter diesen Kulturen sowie in einem Radius von bis zu 200 Metern nur lebloser Meeresgrund. Futterreste, Fäkalien, Kadaver, Antifoulinggifte: Ein Großteil sinkt direkt auf den Boden, lagert sich in einer dicken Schicht ab und erstickt alles Leben.

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