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Futtermittel

Fütterung in einer finnischen Lachsfarm © Plenz/ Wikimedia

Lachs, Stör, Forelle - es sind vor allem die räuberischen Fische, die in Aquakulturanlagen gehalten werden. Im Gegensatz zu sogenannten Friedfischen benötigen sie Futtermittel, die tierartenspezifisch einen bestimmten Mindestanteil von tierischen Proteinen und Fetten enthalten. Diese stammen wiederum aus dem Meer.

Für Fischmehl und -öl werden im großen Stil Wildbestände befischt. Der Anteil von Fischmehl als Proteinquelle im Futter macht circa 30 bis 40 Prozent aus. Um ein Kilogramm Fisch zu züchten, benötigt man heute, je nach Art, zwischen 0,8 und 1,5 Kilogramm Futter. Bezogen auf den Fischmehlanteil heißt das also, dass für die Erzeugung von einem Kilogramm Fisch mindestens 1,1 bis 2,8 Kilogramm Wildfisch und Schlachtabfälle benötigt werden, bei einigen Arten sogar erheblich mehr. Solange Fischmehl und -öl Hauptbestandteile des Futters sind, kann die Aquakultur nicht zur Lösung des Problems der Überfischung der Meere beitragen. Vor allem die sogenannte Gammelfischerei befischt in großem Stil hauptsächlich Fischarten, die nicht als Speisefisch gelten, aber auch solche wie den Hering. Diese Fangerträge werden genutzt, um allein die Fischmehlindustrie zu beliefern.

Mittlerweile sucht die Forschung nach Möglichkeiten, Fischmehl und -öl im Fischfutter weiter zu verringern und durch andere Bestandteile zu ersetzen. Mit der Überfischung der Weltmeere sind selbst diese Rohstoffe teuer geworden. Inzwischen ist ein Teil des tierischen Proteins im Fischfutter durch pflanzliche Proteine aus Soja, Kartoffeln, Raps oder Erbsen ersetzt worden. Untersucht wird auch, inwieweit Würmer, Fliegenlarven und Mikro- oder Makroalgen als Ersatz für Fischmehl dienen können. Einige dieser Proteinquellen stammen aus demselben Milieu wie die Fische und zeigen sehr gute Eigenschaften.

Einen anderen sinnvollen Weg stellt die verstärkte Zucht von Arten dar, die nicht auf tierisches Protein angewiesen sind. Hierzu zählen zum Beispiel Karpfen, Pangasius sowie Tilapia. Diese Tiere lassen sich mit rein vegetarischem Futter aufziehen, auch wenn sich die Aufzuchtdauer etwas erhöht.

Sojaplantage in Brasilien © Tiago Fioreze/Wikimedia

Eine weitere Problematik bei den Futtermitteln stellt der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO) dar. Dies betrifft in der Aquakultur vor allem Soja und Raps. Soja wird hauptsächlich aus außereuropäischen Ländern wie Argentinien oder den USA importiert. Doch 99 Prozent der argentinischen sowie 90 Prozent der US-Sojabohnen sind genmanipuliert und wandern in europäische Futtermittel. Durch eine Gesetzeslücke auf Druck der Agrarlobby müssen Tiere, die mit gentechnisch verändertem Futter ernährt wurden, nicht gekennzeichnet werden. Der Verbraucher bleibt im Dunkeln. Und das, obwohl es keine Langzeitstudien gibt, die die Auswirkungen auf die menschliche und tierische Gesundheit näher untersuchen. Neben der Gefahr von Allergien gegen gentechnisch veränderte Eiweiße ist es durchaus möglich, dass durch den Verzehr genetisch manipulierter Produkte das veränderte Erbgut vom Körper aufgenommen wird.

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