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Hormonelle und genetische Manipulation

Schnelleres Wachstum, bessere Futterverwertung, Krankheitsresistenzen: Dies sind nur einige Ziele, die bei der Zucht von Organismen für die Aquakultur angestrebt werden. Teilweise wird dies bereits durch Hochleistungszuchtprogramme erreicht. Beispielsweise stammen nahezu 100 Prozent der Lachse in Aquakulturen aus selektiven Züchtungen und erreichen doppelt so schnell wie ihre wilden Artgenossen das Wunschgewicht.

Doch wo das nicht ausreicht, wird in Laboratorien am Erbgut gespielt. Genetisch veränderte Organismen (GVO) sind auch in der Aquakultur ein Thema. In mehreren Ländern, darunter in den USA, Kanada oder China, wurden bereits Anträge auf Marktzulassung solcher künstlicher Lebewesen gestellt. In amerikanischen Zuchtanstalten haben Riesenlachse bereits die Marktreife erreicht, in anderen Einrichtungen werden Karpfen mit Forellengenen gezüchtet, welche verstärkt Wachstumshormone bilden. Insgesamt wurden bereits mehr als 35 Arten manipuliert, weitere sollen folgen.

Die durch die Hochleistungszucht ohnehin anfälligen Tiere weisen in der Folge zusätzlich verstärkt Erkrankungen auf. Dazu zählen Katarakte (Trübungen der Augenlinse und folgende Blindheit), Herzfehler, verkrüppelte Flossen und Kiemen, Fortpflanzungsprobleme sowie Wirbelsäulendeformationen und Atemschwierigkeiten. Insgesamt ist die Sterblichkeitsrate sehr hoch.

Um wirtschaftliche und zeitlich abgestimmte Arbeitsschritte zu ermöglichen, werden in der Aquakultur Hormone eingesetzt und zwar im Bereich der Reproduktion. Sie sollen bei den weiblichen Fischen zu einer zeitgleichen Reifung der Eier beitragen, sowie das Ablaichen zu einem gewünschten Zeitpunkt ermöglichen. Dies ist nicht nur ein Eingriff in die natürliche Entwicklung des einzelnen Fisches, sondern gefährdet beim Einsatz in offenen Systemen auch Wildtiere. Denn Hormone sind schon in geringen Dosierungen wirksam und beeinflussen dadurch auch die Entwicklung von Wildbeständen, die mit ihnen in Kontakt gelangen. Hormone, die punktuell in größeren Mengen durch eine Fischzucht in Gewässer gelangen, könnten auch die Routen wandernder Fische wie die des Lachses beeinflussen und ihn vom eigentlichen Weg ablenken.

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