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Medikamente und Giftstoffe

In intensiv geführten Aquakulturen befinden sich, wie auch in der Intensivtierhaltung in der Landwirtschaft, viele Tiere auf engstem Raum. Diese unnatürlich hohen Besatzdichten schwächen durch erhöhte Stresslevel bei den Tieren die Immunabwehr und ermöglichen eine schnelle Ausbreitung von Krankheitserregern von Tier zu Tier, auch auf Wildfische. Dies erfordert in der Regel den Einsatz von Medikamenten, vor allem bei sensibleren Arten wie Forelle, Lachs oder Dorade.

© Andrea Damm/pixelio.de

Dabei werden die Medikamente nicht nur therapeutisch beim kranken Tier selbst, sondern vorbeugend beim gesamten Bestand eingesetzt. In Deutschland sind sehr wenige Medikamente direkt für Nutzfische zugelassen. Deshalb werden Medikamente, die für andere lebensmittelliefernde Tierarten zugelassen sind, einfach unter dem Vorwand des "Therapie-Notstandes" umgewidmet. Dies sind hauptsächlich Antibiotika und Antiseptika, wie Sulfonamide oder Tetrazykline.

In offenen Systemen gelangen diese Wirkstoffe direkt in die Umwelt und können zur Resistenzbildung führen, auch bei Bakterien, die für den Menschen gefährlich sind. Zusätzlich kann es zu einer Antibiotika-Anreicherung im Sediment und zu einer dortigen Beeinflussung der mikrobiellen Aktivität kommen, die das sensible Gleichgewicht der dortigen Lebensgemeinschaft stört.

Eine wesentliche Gefahr ist außerdem, dass sich einige Mittel im Fettgewebe der Tiere anreichern, nicht nur bei Zuchtfischen, sondern zunehmend auch in Wildfischbeständen. Denn nicht nur die Mittel aus der Tierhaltung, sondern auch aus der Humanmedizin gelangen über Abwässer ins Meer und werden dort von allen Lebewesen aufgenommen.

Ein weiteres Problem im marinen Bereich stellt der Einsatz von giftigen Antifouling-Mitteln dar, die den Bewuchs der Netzkäfige mit Pflanzen und Tieren verhindern sollen. Die Antifouling-Mittel, häufig giftige Kupferkomplexe, lösen sich im Umgebungswasser. Sie gelangen so nicht nur in die Meeresumwelt, sondern insbesondere in die Tiere, die in den Käfigen gezüchtet werden. So landen sie letztendlich auch auf unseren Tellern.

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