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Eutrophierung

Algen sind das Schwungrad im Kreislauf

Das Meer befindet sich in einem empfindlichen Gleichgewicht von Sauerstoff, Licht und verfügbaren Nährstoffen. Ist es genau ausbalanciert, so bietet es reichlich Nahrung für Seevögel, Fische, Robben und Schweinswale.

Die Grundlage für das vielfältige Leben in den Meeren bildet das sogenannte Plankton, welches sich aus kleinsten Tierchen und Mikroalgen zusammensetzt. Dabei dienen gerade diese Algen, die ihre Biomasse durch Photosynthese mittels Sonnenenergie erzeugen, als Nahrungsgrundlage für das Leben im Meer. Sie stehen neben Bakterien mit an der Basis des gesamten Nahrungsnetzes.

Nährstoffe - Segen und Fluch

Für die Photosynthese benötigen die Algen neben dem Sonnenlicht noch einige andere wichtige Dinge: Kohlendioxid (CO2), Wasser und Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor. Sonnenlicht, CO2 und Wasser sind meist im Überfluss vorhanden, Nährstoffe hingegen sind oft nur begrenzt verfügbar und limitieren somit das Wachstum der Pflanzen. Zumindest ist das in einem naturbelassenen Meer so.

Problematisch wird es, wenn der Mensch durch den Eintrag von Nährstoffen ins Meer dieses Gleichgewicht stört. Menschengemachte Nährstoffquellen sind Abgase, Abwässer und die Landwirtschaft. Egal, ob die zusätzlichen Nährstoffe direkt über die Luft oder indirekt durch die Flüsse ins Meer gelangen, sie fördern dort das Wachstum der Algen, die hauptsächlich von diesem Überangebot profitieren. Fachleute nennen den massiven Nährstoffeintrag in Gewässer „Eutrophierung“. Diese Überdüngung ist vor allem in Küstengewässern oder in Gewässern mit einem geringen Wasseraustausch ein Problem. Dazu gehören Binnenseen, aber auch unsere Ostsee, deren Wasser nur ungefähr alle 30 Jahre komplett ausgetauscht wird.

Algenblüte in der Ostsee (© NASA 2001)

Kommt es nun durch die Eutrophierung zu einem rasanten Wachstum der Algen, einer sogenannten Algenblüte, hat dies weitreichende Konsequenzen für alle Lebewesen im Meer. Zuerst leiden andere Wasserpflanzen unter der explosionsartigen Vermehrung. Die schwebenden kleinen Algen trüben das Wasser und beschatten den Meeresboden. Dadurch gelangt nicht mehr genug Licht zu den dort wachsenden Pflanzen, wie Seegras und Tang, welche dann sterben. Die Eutrophierung ist eine der Hauptursachen für den starken Rückgang unserer Seegraswiesen, die die Kinderstuben für viele Tierarten sind.

In grünen Algenteppichen geht niemand gern baden. (© Hannah Sliwka)

Und auch der Mensch bekommt schon in diesem Stadium die Folgen zu spüren, wenn Algen oder Bakterien reizende oder giftige Stoffe absondern, die an manchen Tagen das Badevergnügen an den Stränden verhindern oder wenn die Ostsee von Quallen schier überschwemmt wird. Denn die Quallen ernähren sich vom Plankton und profitieren vom zunehmenden Überfluss.

Tote Zone am Meeresgrund (© Wolf Wichmann)

Die Tierwelt ist aber vor allem dann betroffen, wenn die große Masse an Algen abstirbt, absinkt und von Bakterien zersetzt wird. Dabei wird Sauerstoff verbraucht, die Grundlage allen Lebens. Wenn nun aber aller Sauerstoff in einem Bereich des Meeres verbraucht wird, so stirbt dort alles Leben. Auch der Meeresboden ist betroffen, dort entstehen durch Faulgase dunkle Schichten, die nach Schwefel stinken. Muscheln, Seeigel, Seesterne, Krebse und alle anderen, nur wenig mobilen Tiere ersticken in diesen sauerstofffreien Zonen. Und selbst Fische, die meist entkommen können, werden in Buchten manchmal von einer Wand sauerstofflosen Wassers eingeschlossen und sterben.

Viele Fische fallen den "toten Zonen" zum Opfer. (© Manfred Schimmel / pixelio.de)

Entweder ersticken sie im Wasser oder sie springen in ihrer Verzweiflung sogar an den Strand, wo sie ebenfalls verenden. Warme Wassertemperaturen, ein geringer Einstrom an sauerstoffreichem Nordseewasser in die Ostsee und eine stabile Wasserschichtung begünstigen die Entstehung solcher sauerstoffarmer Zonen. 

Seit den sechziger Jahren wird eine deutliche Zunahme dieses Phänomens in allen Meeren weltweit beobachtet. Inzwischen zählt mehr als ein Sechstel des Ostseegrunds zeitweise oder dauerhaft zu dieser Todeszone.

Tiere aus ökologischer Weidehaltung sind nicht nur glücklicher, sondern auch ostseefreundlicher! (© Hannah Sliwka)
Nährstoffeintrag senken und Leben schenken

Um in den Meeren zumindest annähernd das natürliche Gleichgewicht von Sauerstoff, Licht und verfügbaren Nährstoffen wieder herzustellen, ist es äußerst wichtig, den menschengemachten Nährstoffüberschuss zu reduzieren. Da eine Hauptquelle des Nährstoffeintrags die Landwirtschaft darstellt, ist es wichtig, den ökologischen Landbau weiter zu fördern. Denn Tiermastanlagen führen zu riesigen Güllemengen, die teilweise in unsere Meere gelangen und auch eine übermäßige Düngung der Felder hat den gleichen Effekt. Einen weiteren Faktor stellen Abgase dar. Neben einem Verbot von Schweröl als Schiffstreibstoff und verbesserten Abgasreinigungsanlagen kann jeder durch die verstärkte Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln einen Beitrag zum Schutz unserer Meere leisten. Und auch die verbesserte Klärung von Abwässern, nicht nur im ländlichen Raum, kann zu einer Verbesserung der Situation führen.

Nur so kann die Vision eines guten ökologischen Zustandes von Nord- und Ostsee Realität werden.

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