GridviewListLogin

en | dk | de

Wattschnecke (Hydrobia spp.)

Mit ihrer gelbbraunen Farbe und durch ihre Winzigkeit fallen die Tiere auf den Meeresböden zunächst kaum auf. Viel eher bemerkt man ihre Spuren, die wie dünne Fäden den Weichboden überziehen. Hat man jedoch erst einmal solch ein winziges Tier entdeckt, gerät man über die ungeheure Anzahl der Wattschnecken ins Staunen, sind sie doch die häufigsten Schneckenarten der deutschen Küsten. Strandwanderer finden die winzigen Schalen der Tiere in angespülten Algen oder Miesmuscheln, Schnorchler die weidenden Schnecken an Seegras-Halmen oder auf dem sandigen Meeresboden.

Kennzeichen: In der Fehmarnbelt-Region sind vier nahverwandte Wattschnecken-Arten verbreitet: Hydrobia acuta neglecta, Peringia ulvae, Ecrobia ventrosa (beide ehemals Hydrobia spp.) und Potamopyrgus antipodarum. Alle vier haben ähnliche, 4–6 mm hohe, langgestreckte Gehäuse mit 4–6 Umgängen, die je nach Art und Umgebungsbedingungen mehr oder weniger tief eingeschnittene Nähte sowie Wölbungen besitzen. Die Arten lassen sich auf den ersten Blick nur schwer, unter dem Mikroskop aber u. a. auch durch ihre unterschiedliche Tentakel-Pigmentierung unterscheiden.

Ernährung: Mit ihrer Vorliebe für verschiedene Kieselalgen, Grünalgen und Bakterien auf dem Meeresboden und auf Pflanzen zählen sie zu den kleinsten Weidegängern unserer heimischen Meere – mit hoher ökologischer Bedeutung: Durch das Abweiden von Aufwuchs befreien sie die Tange und Seegräser vor Beschattung und Nahrungskonkurrenz. Mit ihrem Kot und Schleim verkleben sie Sandkörner und binden dadurch das Sediment. Um entferntere Nahrungsgründe zu erreichen, können sie sich auch mit dem Fuß an die Wasseroberfläche heften, sich treiben lassen und ein Schleimband bilden, an dem ihre Nahrung kleben bleibt. Wattschnecken selbst werden von Wasservögeln, Fischen und anderen Weichtieren gefressen und oft von parasitischen Saugwürmern befallen.

Fortpflanzung: Wattschnecken sind getrenntgeschlechtig. Zwischen April und September werden mehrere Eikapseln auf harten Untergründen abgelegt, aus denen zunächst freischwimmende Larven schlüpfen. Nach 10 Tagen gehen sie als Jungschnecken zum Bodenleben über.

Vorkommen: Wattschnecken sind vom Senegal über die Nordsee bis in die Ostsee hinein verbreitet. Sie vertragen auch die geringeren Salzgehalte unseres Brackwassermeeres und sind daher in der gesamten Ostsee auch bis in die Bodden hinein anzutreffen.